Wir fahren nach dem Frühstück aus Guaxupé raus und in die Kaffeefarmwelt rein. Allerdings, so paradiesisch wie am gestrigen Tage im Monte Alto wird es nicht. Wir bewundern die riesigen Termitenhaufen und lauschen in den beruhigenden Lärm der Zikaden hinein.


Die Fazenda, die im Internet mit kulturellen Festen wirbt, liegt im saisonalen Tiefschlaf. Ein Mann schickt uns Neugierige freundlich weg. Ich erfreue mich in der kleinen Kirche an Gott im Verbund mit Geistern, Maskottchen oder einfach Püppchen, wer weiß:


Wir fahren wieder nach Guaxupé rein und essen Eis, dass nicht im mindesten so lecker ist wie unser, ich esse es nicht auf, das wären unnötige Kalorien:

Wir wandern zur Kirche hinauf und verweilen im stillen, kühlen frommen Haus mit schönen Glasfenstern.

Ansonsten ist das Städtchen ziemlich friedlich, ziemlich bevölkert, unter anderem mit einer wartenden Anzahl an Verkäufern und Verkäuferinnen- Leerstand gibt es weniger als in Cottbus. Die Häuser aus dem kolonialen Erbe sind allesamt sehr renovierungsbedürftig und ein Schlösschen wird sogar wieder schön gemacht.

Nachmittags holt uns Yana von SMC ab. Wir fahren in ein für repräsentative Zwecke errichtetes Haus und werden vielen fleißigen MitarbeierInnen persönlich vorgestellt. An den Bildschirmen wechseln im Minutentakt die Weltmarktpreise und entscheiden mit darüber, ob der hier gehandelte Spezialitätenkaffee weggeht wie warme Semmeln. In einem anderen Raum stehen hunderte Rohkaffeeproben. An Sortiertischen kontrollieren MitarbeierInnen im affenartigen Tempo die Bohnen. Es riecht wohltuend nach gerösteten Kaffee. Und oh, wie schön, im nächsten Raum erwarten uns kleine Röster im Hochbetrieb. Nun sehe ich wenigstens kurz, wie damit gearbeitet wird. Yana sagt uns zu, Proben von den Varietäten der Monte Alto Farm samt Röstparameter zu senden, in der Hoffnung, wir werden guter Kunde für guten Kaffee, der das Ökosystem, die Arbeitsplätze und die Exzellenz im Kaffeeanbau erhalten hilft. Aber wir sind ein winziges Glühwürmchen in dem göttlichen Himmel des zweitwichtigsten Handelgut der Welt, von dem der größte Anteil aus Brasilien kommt. Es geht in den brasilianischen Handelszentren um jährlich mehrere Millionen Kaffeesäcke a 60 kg, von denen wohl 320 in einen Container passen.Aber für diesen Kunden an dem Ort im Europa und jenen in Japan etc. verschickt man einen Sack Spezialitätenkaffee mit der Aeroplan. Wir trinken Bourbon- Kaffee in Espressotässchen. Ich schmecke sofort viel Süße, etwas Schokolade und Wald, keine Säure, aber auch keine Crema gibts und ehrlich gesagt, ich mag Kaffee, der kracht und Creme hat. Aber daran kann man, so lerne ich fleißig, auch beim Arabica arbeiten. Der wächst nämlich hier vornehmlich. Jetzt könnte ich hier noch weiter palavern, aber Yana zückt ihre Handys und in dem Schweinsgalopp, in dem sie englisch in allen möglichen Ländern der Welt spricht und Auto durch die holprigen Straßen von Guaxupé fährt, bringt sie uns zum Hotel zurück. Wir verabschieden uns mit einem Hug, sie fragt, darf man? Ja, so ein together story telling ist doch viele Umarmungen wert. Danke.
ps: Yana könnte unsere Enkelin sein.
2.ps: natürlich kann man zu den Fazendas und den Vertriebswegen über SMC und der Mutterfirma alles googeln und beim Lesen sehr viel lernen. Aber hier geht’s um meine Wahrnehmungen.
3.Ps: wie schön. Im „Supermarkt“ entdecken wir den Kaffee von Monte Alto, gemahlen oder in Bohnen oder in Kapseln gezwungen.Fehlt bloß noch Instant. Die Bohnen kosten für den Verbraucher hier in Brasilien umgerechnet stolze 10,00 € je 500 g..