Auf Wunsch der deutschen Gruppe- wir sind zu acht- besorgen uns die brasilianischen Freunde den gemeinsamen Besuch auf einer Kaffeefarm. Wir erklären, dass es in Deutschland keine solchen gibt und es von allgemeinen Interesse ist, was über Kaffee zu lernen. Es wäre also nicht nur ich- mit etwas mehr “ kommerziellen“ Gründen- daran interessiert.
So erfahren wir an dem ausgerechnet in Campino ansässigen Forschungsinstitut, dass 1887 der Kaiser Don Pedro II dieses erste landwirtschaftliche Forschungsinstitut in Lateinamerika gründete. An der Wand ist auch ein deutscher Professor Dafert verewigt, der an diesem Institut erforschte, wie man mehr aus dem braunen Gold rausholen kann. Die Führerin erklärt, die meisten der Kaffeepflanzen in Brasilien stammen von Züchtungen des Instituts ab. Auf dem Freigelände wachsen ein paar alte Kaffeebäume.

In dem alten Gewächshaus treffen wir auf einen Doktoranden, der in speziellen Erden Anpflanzungen vornimmt.


Die Führerin zeigt uns auch eine kranke Pflanze, vielleicht ist es Kaffeerost. Gegen Schädlinge wird hier gespritzt, das ist auf Warnschildern zu lesen. Die Führerin sagt, man brauche auf alten Kaffeefarmen wie dieser keine anderen Pflanzen kultivieren. Das hatten wir auf der Farm in Monte Alto anders gelernt.

An den Sträuchern hängen noch vertrocknete Kirschen, denn um Ernte geht es hier nicht, sondern um genetische Forschung.Auch um Bio- Kaffee geht es hier nicht, der betrage höchstens 5% des Anbaus in Brasilien und würde nur auf kleinen Farmen erfolgen. Anderes Thema, sozusagen.
Man kann auf der Internetseite des Institus ganz verschiedene Samen verschiedener Pflanzen kaufen und Kurse buchen, z.B. zu Herbiziden.
Heute, so erklärt die Führerin, ist ausgerechnet der Tag des Kaffees. In der modernen Halle im Eingangsbereich des Instituts präsentieren Honig-, Käse- und Kosmetikanbieter ihre Produkte. Es ist nur ein Kaffeeanbieter dabei und seine sechs Säckchen muten im Vergleich zu der Millionenernte fast komisch an. Ich hätte den Kaffee gern gekauft, aber das hieße, ihn wochenlang mit rumzuschleppen. Da kaufen wir lieber guten Käse für unsere Gastgeberin.

In dem ehrwürdigen Haus, wo alles seinen Ursprung nahm, hängen u.a. Tafeln mit kranken Erden zur Veranschaulichung. Aber das sollen wir nicht fotografieren. Klaro.
Heute ist es schwül- trübe und paar vereinzelte Regentropfen fallen.Das passt irgendwie zu diesem Besuch und zum nahenden Abschied von Campinas.


Zwei typische Stadtbilder aus Campinas. Leitungen sind meist oberirdisch, nur in der Hauptstraße sind sie vergraben worden.