…aber nur mit Pässen und nicht in kurzen Hosen. Da bin ich fein raus im Wallekleid. Zunächst gibts bei unseren Gastgebern wieder gutes Frühstück. Der Bäcker ist nebenan und André holt frische Brötchen, die in Deutschland meist nicht besser sind. Unsere Gastgeber wohnen in einem von einer Mauer umgebenden Hochhaus, in welches man nur durch das Öffnen der Tiefgarage oder des digitalen Einlasses im kurzen Stück Zaun kommt. Ringsum das Hochhaus, im Innern der Mauer, bewunderten wir gestern Abend das Fithess-Studio, einen Spielplatz, einen kleinen Pool, einen Feier- und Versammlungsraum. Alle Hochhäuser im Umkreis sind so konzipiert. Man geht nachts nicht allein raus und wie wir zu viert abends etwas durch das Gebiet spazieren, treffen wir kaum auf andere Fußgänger. Die tagsüber belebten Straßen sind leergefegt.
Bei Bosch arbeiten in Campinas und an etlichen anderen Orten in Lateinamerika Tausende. Wir werden von den Mitarbeitern der Bosch- Stifung nett empfangen und bewirtet. Die Bosch- Stiftung ermöglicht Kindern aus sozial schwachen Familien eine gute Schulbildung. Wir besuchen eine Schulklasse. Die Jugendlichen stellen uns vor allem Fragen zum Leben in der DDR.

Außerdem lernen wir das Archiv der Stiftung kennen und erfahren etwas von der Bosch- Geschichte.

Danach geht’s zum Barbecue…


Auch Käse, Ananas und Bananen gibt’s gegrillt.
So mehr überfüllt als satt fallen wir wieder in den Bus und drehen unübersichtlich viele Runden durch das vollgestopfte Campinas. Obwohl der Bus klimatisiert ist, bin ich danach froh, ihn hinaus in die brütende Hitze zu verlassen. Die nächsten zwei, drei Stunden bestehen aus Stehen und langsamen Voranschreiten in der Kadettenschule.Sie befindet sich auf historischen Gelände und ist eine Message.



Einerseits ist das Gebäude samt Außenanlagen eine Message. Es ist eine ehemalige Fazenda. Auf dem großen Gelände befindet sich sogar ein Außenschwimmbecken. Auf unser Nachfragen hin, wo man in der Millionenstadt Campinas baden und schwimmen kann, wird uns erklärt: Nirgendwo. So könnte man meinen, wie fein haben es die Kadetten. Jedoch sehen wir sie nach ihrem Unterricht in ihre Schlafhallen zum Umkleiden marschieren, dann in Sportkleidung zum Schwimmen rennen. Zum Rennen gehören Ganzkörperübungen, im gleichen Rhythmus bitte. Ein ganzer Stab an Lehrern führt uns durch die Hallen. Aber zuerst begrüßt uns das Orchester mit den Nationalhymnen von Brasilien und Deutschland. Das geht mir unter die Haut. Man stellt uns das Ehepaar im Orchester vor. Ja, unter den ca. 400 Schülern bildet die Schule ca. 40 Frauen aus. Von den Soldaten und der Schule bin ich schwer beeindruck. Sie könnten in jedem Film auftreten und sie als Freunde zu wissen, erscheint mir angenehm, und der Gedanke, dass sie aufgrund eines Befehls meine Feinde sein könnten gefällt mir gar nicht. Obwohl sie alle so stattlich aussahen- fotografiert habe ich sie lieber nicht. Wie bei Google nachzulesen ist, was wir auch erfuhren: junge Menschen aus ganz Brasilien absolvieren hier ihr erstes Soldatenjahr. Nach einer Prüfung wechseln sie an die Militärakademie in Rio, um Offizier zu werden. Der Soldatendienst bestimmt dann das „Arbeitsleben“ und alle 2 Jahre wechselt der Standort. Ein Lehrer erzählt uns auf deutsch, er hat immer viele Umzugskartons zu Hause und sein Kind lebte schon an drei verschiedenen Orten.

Abends ein Blick aus unserem Zimmer. Nach einer Pause und Andrés Heimkehr von der Arbeit schöpfen wir vier nochmal neue Kraft und nutzen diese, zum Dinner aufzubrechen.Dazu fahren wir zu dem größten Shopping Center Campinas. Ich sah noch kein größeres. Da aber Ana und André sich hier auskennen, betreten wir dieses über die Blumenzucht- und Klimaanlage des Centers. Ich sah auch noch keine größere Klimaanlage. Wenn ich öfters auf meiner Arbeit sage, die Anlagen machen für mich Geräusche, als wäre ich auf dem Flughafen, so fühle ich mich hier wie auf einer Weltraumstation. Das erinnert mich an San Antonio, wo ich zum ersten Mal solche Riedenklimanlagen wahrnahm…Jetzt aber kehren wir beim Barbecue ein, genießen besten brasilianischen Cat- Fisch aus Flüssen zu frischen Gemüsen, schwarzem Reis und arabisch beeinflussten Salaten. Es ist ein perfekter Abend bei perfektem Essen und Trinken und perfekten Sevice. Wir sind allein in dem Riesen- Restaurant, auf einen Gast kommt ein Kellner und sicher auch ein/r in der Küche. Es ist schön, zu verweilen und gemeinsam Zukunftspläne zu schmieden und sich gemeinsam an andere Reisen mit FF zu erinnern. Die Welt ist gleichsam groß und gleichsam klein in dieser Zeit.

